Archiv nach Schlagworten: Sozialarbeit

Zukunft von Jugendzentrum und Stadtbücherei

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Die Stadtbücherei und der Jugendtreff “KICK” unter einem Dach in der Kölner Str. 4

Zur Zeit wird über den Verkauf des Gebäudes an der Kölner Straße diskutiert, in dem sich das vom Kinderschutzbund betriebene Jugendzentrum “KICK” sowie die Stadtbücherei befinden.

Hintergrund der Diskussion ist das Interesse eines Investors, der das Gebäude in ein Ärztehaus umwandeln möchte. Eine konkrete Entscheidung steht derzeit aber nicht an. Zur Zeit ist lediglich beschlossen worden, den Wert des Gebäudes objektiv durch den Kreisgutachterausschuss feststellen zu lassen. Damit ist ein Verkauf noch nicht beschlossen und noch keine Vorfestlegung erfolgt.

Nichtsdestotrotz kursieren diverse Infos und Gerüchte zu einem eventuellen Verkauf des Gebäudes durch die Stadt. Deshalb möchte ich ein paar Informationen und meine Meinung erläutern.

Vorab direkt: für mich und die SPD kommt ein Verkauf erst in Frage, wenn für den KICK und die Stadtbücherei jeweils konkrete und vernünftige Alternativen feststehen. Grundsätzlich habe ich kein Problem mit einem Verkauf, solange vorher jeweils konkrete und vernünftige Alternativen feststehen und beiden Einrichtungen eine Planungssicherheit gewährt wird. Umgekehrt ist für mich aber auch klar: Sollte es keine vernünftigen Alternativen geben, dann kann es, nach meiner Auffassung, auch keinen Verkauf geben.

Folgende Alternativen sind von der Stadtverwaltung untersucht worden. Die Bemerkungen sind Bemerkungen der Stadtverwaltung:

  • Bahnhof. Eine barrierefreie Nutzung wäre nicht möglich, da mehrere Geschosse genutzt werden müssten. Dazu wären Umbaumaßnahmen erforderlich. Weiter sind einige Fördergelder für den Bahnhof geflossen, die eventuell zurückzuzahlen wären.
  • “Primanerbau” (Anbau am Konvikt, Trierer Str. 16). Eine barrierefreie Nutzung wäre nicht möglich, da mehrere Geschosse genutzt werden müssten. Wird darüber hinaus von der Schulleitung und dem Kinderschutzbung aus fachlicher Sicht nicht befürwortet. Dazu wären Umbaumaßnahmen erforderlich. Weiter sind einige Fördergelder für das Gebäude geflossen, die eventuell zurückzuzahlen wären.
  • St. Michael Gymnasium (Altbau Südflügel). Käme nur für Stadtbücherei in Betracht. Die Schule kann jedoch nicht auf die Räume verzichten. Weiter wären Umbaumaßnahmen erforderlich.
  • OGS (Klosterplatz 4). Käme nur für Jugendtreff in Betracht. Die Offene Ganztagsschule (OGS) müsste in die Grundschule umziehen. Der Jugendtreff hätte dann deutlich mehr Platz. Es würden Baumaßnahmen erforderlich. Für das Gebäude sind Fördergelder geflossen, die eventuell zurückzuzahlen wären.
  • Jugendraum Mimi-Renno-Halle (Glasraum). Käme nur für Jugendtreff in Betracht. Es würden Baumaßnahmen erforderlich. Für das Gebäude sind Fördergelder geflossen, die eventuell zurückzuzahlen wären. Meiner Meinung nach, ist die Fläche zu klein für einen Jugendtreff.
  • Ehemalige Feuerwache (Klosterplatz 2). Käme nur als Bücherei in Betracht. Das Objekt ist derzeit vermietet. Eine erhebliche Reduzierung der Fläche wäre die Folge, allerdings ist die Lage gut. Es wären Umbaumaßnahmen erforderlich.
  • Kölner Str. 6. Käme als Jugendtreff in Betracht. Die Stadt ist seit Kurzem Eigentümer. Das Objekt ist teilweise vermietet. Für die Fläche gilt derzeit eine Veränderungssperre, da die Planungen im Hinblick auf das Parkdeck und die Zuwegung der Feuerwache noch unklar sind. Es wären Umbaumaßnahmen erforderlich.
  • Kulturhaus Theater 1. Käme als Bücherei in Betracht. Das Objekt ist derzeit in Erbbaurecht verpachtet. Es wären Umbaumaßnahmen erforderlich und es könnte nicht barrierefrei genutzt werden.

In dem Zusammenhang ist auch die aktuelle Diskussion über die personelle Ausstattung der Jugendzentren im Kreis Euskirchen relevant.

Im Kreistag wird derzeit über die Fortschreibung des “Kommunalen Kinder- und Jugendförderplanes” diskutiert. In diesem Förderplan wird unter anderem auch die personelle Ausstattung der Jugendzentren festgelegt. Der Kreis Euskirchen trägt für alle Jugendzentren, die in dem Förderplan enthalten sind, die personelle Ausstattung. Kreisweit trägt der Kreis 12,81 Stellen. Die Verteilung auf die Kommunen richtet sich nach den Jugendeinwohnerwerten (JEW). Das bedeutet für Bad Münstereifel derzeit 1,09 Stellen. Hiermit wird das Personal des KICK in Bad Münstereifel und die teilweise Betreuung des Jugendtreffs in Arloff organisiert. Die Raumkosten trägt in Bad Münstereifel die Stadt.

Da die Zahlen der jugendlichen Einwohner im Kreis Euskirchen gesunken sind, steht eine Kürzung der Stellen auf 10,06 im Raum. Das würde für Bad Münstereifel eine Kürzung auf 0,81 Stellen bedeuten. Dass damit eine Verringerung des Angebotes und eventuell eine Gefährdung des Standorts Arloff einhergeht, muss klar sein.

Trotz gesunkener Anzahl an Jugendlichen bleiben die Besucherzahlen jedoch konstant. Die Inanspruchnahme der Einrichtungen „KICK“ und Jugendtreff Arloff durch Jugendliche ist nicht rückläufig. Das KICK und der Jugendtreff Arloff wird trotz weniger Jugendlichen in gleichem Umfang besucht und die Angebote in Anspruch genommen. Ein rückläufiger Bedarf bei Jugendlichen an den Angeboten der Einrichtungen ist trotz sinkender Anzahl Jugendlicher nicht erkennbar.

Das KICK und der Jugendtreff Arloff sowie insbesondere die Mitarbeiter leisten wertvolle Arbeit für Bad Münstereifel und für die jungen Einwohner Bad Münstereifels. Beide Einrichtungen stellen viel mehr als reine Freizeiteinrichtungen für junge Menschen dar. Sie sind ein wichtiger Baustein einer Angebotspalette unter anderem auch im Bereich der Sozialarbeit. Diese für Bad Münstereifel so wichtige Angebote sind auch Ausdruck eines kinder- und jugendfreundlichen Bad Münstereifels, dass es unbedingt zu erhalten gilt.

Ich werde mich daher mit den Kollegen in den SPD-Fraktionen in Bad Münstereifel und im Kreis für eine Beibehaltung der Stellenanzahl einsetzen.

Schulsozialarbeit bleibt mindestens bis 2015

Am vergangenen Mittwoch hat der Jugendhilfeausschuss gemeinsam mit dem Ausschuss für Bildung, Sport und Kultur eine Weiterfinanzierung der Schulsozialarbeit des Kreises bis mindestens 2015 beschlossen.

Beschlossen wurde sinngemäß:

  1. Wir fordern den Bundestag auf, die Schulsozialarbeit weiter zu finanzieren.
  2. Die Schulsozialarbeit wird bis zum 31.12.2015 weitergeführt. Bei keiner Finanzierung aus Bundesmitteln finanziert der Kreis die Stellen aus den bislang nicht abgerufenen BuT-Mitteln, also auch KEINE Kreisumlage-Belastung!
  3. Es soll eine Koordinierung der Arbeit der SchulsozialarbeiterInnen von Kreis, Kommunen und Land erfolgen – vielleicht kommen wir sogar so weit, dass Kommunen Stellen einsparen können.

Warum das Ganze?
Die Bundesregierung hat nach einem Urteil des Bundesverfassungsgerichts das sogenannte Bildungs- und Teilhabepaket (BuT) auf den Weg gebracht, um Kinder aus sozial schwächeren Familien Zugang zu Bildung, Kultur und Freizeitaktivitäten zu ermöglichen. Die SPD hat damals ausgehandelt, dass auch zusätzliche Schulsozialarbeit in dieses Paket mit aufgenommen wurde.

Zum Ende des Jahres läuft die Finanzierung aus – plötzlich sollen die Länder oder sogar die Kommunen für die Finanzierung verantwortlich sein. Die Bundesmittel laufen also sehr wahrscheinlich aus.
Im Kreis Euskirchen sind vor 2 Jahren fünf Stellen in diesem Bereich geschaffen worden – eine davon wird nach Beschluss des Jugendhilfeausschuss im Bereich der Koordinierung von Inklusion in KiTas und Schulen in jedem Fall weitergeführt.
Bei den übrigen 4 Stellen (mit 5 Fachkräften) war die Weiterbeschäftigung bis Mittwoch ungewiss. Diese werden gezielt an verschiedenen Schulen eingesetzt, an denen es bisher keine Schulsozialarbeit gab – insgesamt konnten damit 14 Schulen kreisweit erreicht werden. Die Bürgermeister machen dennoch Stimmung gegen eine Fortführung der Schulsozialarbeit aufgrund der zusätzlichen Belastung über die Kreisumlage (insgesamt 200.000 €, die nach Größe und Wirtschaftskraft auf die Städte und Gemeinden aufgeteilt würden).

Warum das Angebot der Schulsozialarbeit so wichtig ist!!!
Der Wert von Schulsozialarbeit wird zurecht von niemand ernst zu nehmenden bestritten. Für LehrerInnen, Eltern und SchülerInnen ist Schulsozialarbeit eine wichtige Stütze, wenn es einmal nicht so gut läuft. Egal ob harmlose Streitereien, massives Mobbing, Probleme im Elternhaus oder Gewalt auf Schulhöfen – bei solchen und ähnlichen Problemen kommen LehrerInnen schnell an ihre Grenzen (das sagen mir jedenfalls viele Lehrer). Der Einsatz des Kreises ist insofern charmant, dass die SchulsozialarbeiterInnen wirklich dort sind, wo sie gebraucht werden. Sie warten nicht in den Schulen auf Kinder (infrastruktureller Ansatz), sondern haben klar festgelegte Angebote, die LehrerInnen, SchülerInnen und Eltern abrufen können. Damit können die SchulsozialarbeiterInnen natürlich mit weniger personellem Aufwand (und damit auch finanziellem) an mehreren Schulen aktiv werden. Probleme gibt es nämlich nicht nur an Förder- oder Hauptschulen!

Wie wir gemeinsam zahlen und alle profitieren können!!!
Schulsozialarbeit wirkt präventiv und verhilft häufig benachteiligten Kindern zu einer Chance an unseren Schulen. Wie viele Soziologen und andere kluge Köpfe, bin auch ich davon überzeugt, dass diese Investition sich langfristig auszahlt, weil sie uns höhere Folgekosten erspart.

Ein zweites, etwas pragmatischeres Argument: Derzeit gibt es neben der Schulsoziarbeit des Kreises nach dem Bildungs- und Teilhabepaket (4 Stellen an 14 Schulen) noch 12,19 Stellen an 13 weiteren Schulen (davon 6,36 Stellen des Landes, 3,33 der Kommunen und die 2,5 Stellen vom Kreis). Dass sich dieser bunte Blumenstrauß auch kozeptionell aufeinander abstimmen sollte, ist einleuchtend. Sinnvollerweise kann eine solche Koordinierung fachlich nur vom Kreis Euskirchen ausgehen – das Jugendamt, die Nähe zum Allgemeinen Sozialen Dienst (ASD) sprechen für eine qualitative fachliche Begleitung, die sonst nicht möglich wäre.

bisherige Stellen Schulsozialarbeit und neue Schulsozialarbeit nach BuT durch den Kreis (FKS=Fachkraftstellen; BUT=Bildungs- und Teilhabepaket)

bisherige Stellen Schulsozialarbeit und neue Schulsozialarbeit nach BuT durch den Kreis (FKS=Fachkraftstellen; BUT=Bildungs- und Teilhabepaket)

So könnten perspektivisch auch die Fachkraftstellen der Kommunen vom Kreis Euskirchen übernommen werden. Der Ansatz, auf den Sozialraum und klare Angebote zu schauen anstatt einzelne Schulen mit Schulsozialarbeit auszustatten, verspricht zudem, dass man mittelfristig durchaus mit weniger als den derzeitigen SchulsoziarbeiterInnen kreisweit auskäme.

Und an diesem Punkt hoffe ich, dass wir in dem jetzt beschlossenen Zeitraum bis Ende 2015 auch die Bürgermeister davon überzeugen können, dass es Sinn macht, ein einheitliches Modell zu entwickeln. Darüber hinaus würden die meisten Städte und Gemeinden auch finanziell profitieren.

Schulsozialarbeit nach Schulformen vorher

 

Schulsozialarbeit nach Schulformen nachher

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