Landschaft HöhengebietSeit Wochen erreichen die SPD Fraktion und mich persönlich Berichte über Gestank durch Gülleausbringung. Lastwagenweise werde demnach Gülle auf Felder, insbesondere im Höhengebiet (aber auch zwischen Arloff und Iversheim), ausgebracht. Oft handele es sich um Wagen mit niederländischen Kennzeichen. Die Menge der Gülle sei demnach so groß, dass die Gülle auf den Feldern stehe und in angrenzende Bachläufe fließe. Auch die Stilllegung eines Trinkwasserbrunnens Anfang November wird mit starker Gülleausbringung in Verbindung gebracht. Auch die Dorfgemeinschaft am Thürne hat sich dem Thema angenommen.

Das Thema Gülle-Düngung hat mehrere Aspekte, die problematisch sein können. Zunächst bringt die Ausbringung von Gülle, wenn sie klassisch aufgebracht wird, eine starke Geruchsbelästigung für Anwohner mit sich. Weiter hat Gülledüngung immer auch Einfluss auf das Grund- und Trinkwasser. Die Nitratwerte im Wasser steigen durch die Düngung und können Grenzwerte übersteigen. Auch wenn es in Deutschland allgemein ein Problem mit Nitrat im Trinkwasser gibt, das Wasser in Münstereifel liegt in allen Bereichen deutlich unter den Grenzwerten und ist bedenkenlos genießbar. Darüber hinaus werden zunehmend auch Gärreste aus Biogasanlagen ausgebracht. Das Ausbringen von Gärresten steht im Verdacht multiresistente Keime in Umlauf bringen zu können.

Dem Thema Keime durch Gülle hat sich auch der Kreistag auf Initiative der Grünen und der SPD angenommen und eine Resolution verabschiedet, die Land und Bund auffordert für klarere und schärfere rechtliche Anforderungen zu sorgen. Die gesamte Resolution, sowie die Antwort der Kreisverwaltung auf unsere Fragen, gibt es hier.

Die Zuständigkeit für die Kontrolle der Gülleausbringung liegt bei der Landwirtschaftskammer. Das Gesundheitsamt des Kreises ist bei Gefahr durch Keime zuständig, die untere Wasserbehörde beim Kreis ist zuständig, wenn es um Verunreinigung von Gewässern geht. Gedüngt werden darf maximal 170 kg N/ha und Jahr aus tierischem Ursprung im Betriebsdurchschnitt. Die Ausbringung darf nur auf aufnahmefähigen Böden erfolgen. Auf unbestelltem Ackerland ist Biogasgülle unverzüglich einzuarbeiten. Während der winterlichen Vegetationsruhe (Ackerland 01.11. – 31.01., Grünland 15.11. – 31.01.) ist die Ausbringung unzulässig. Anfall und Verwertung der Güllen sind in einem jährlich zu erstellenden Nährstoffvergleich zu dokumentieren.

Als SPD-Fraktion vertrauen wir darauf, dass die große Mehrzahl der Bad Münstereifeler Landwirte sich im Rahmen der Bestimmungen verhält. Ebenso fern liegt es uns angesichts der Geschehnisse, Panik oder Angst zu schüren. Dennoch wollen wir den genannten Problemen im Dialog mit den Beteiligten Akteuren und Institutionen begegnet, diesen vorbeugen und ein entsprechendes Konzept erarbeiten. Dazu haben wir beantragt, dass die Stadtverwaltung in Zusammenarbeit mit dem Kreis, der Kreisbauernschaft sowie der Landwirtschaftskammer ein Konzept zur Eindämmung der Gülleausbringung und ein effektiveres Kontrollsystem entwickeln soll. Gegebenenfalls soll sie sich überregional für eine Anpassung der Zuständigkeiten und der rechtlichen Rahmenbedingungen einzusetzen.
Dabei soll insbesondere auch auf die Gülleausbringung durch auswärtige (z.B. niederländische) Akteure eingegangen werden. Ebenso soll die Möglichkeit geprüft werden, inwieweit bei der Neuverpachtung städtischer Flächen ein Verbot der übermäßigen Gülleausbringung sowie der Ausbringung fremder Gülle und eine Mitteilungspflicht hinsichtlich der Menge und Zusammensetzung der ausgebrachten Gülle an eine städtische Stelle in die Verträge aufgenommen werden kann. Ebenso soll bei einem solchen Konzept die Problematik der Grund- bzw. Trinkwasserqualität berücksichtigt werden.