So, oder so ähnlich, lautete das Motto der Diskussionsveranstaltung, die ich gestern im Kreishaus besucht habe.

Landwirtschaft und Gentechnik waren bisher eher nicht meine politischen Fachgebiete und haben mich bisher auch nur am Rande interessiert. Die Diskussion gestern, die unter anderem auch von der SPD-Kreistagsfraktion organisiert wurde, war allerdings sehr interessant und hat mich dem Thema Gentechnik in der Landwirtschaft näher gebracht.

Als Referenten saßen auf dem Podium, neben einer Moderatorin, ein Vertreter der Bayer CropScience AG, eine Vertreterin der Landwirtschaftskammer und ein Bio-Bauer aus Hennef. Nachvollziehbarerweise waren sowohl der Mann von Bayer, als auch der Bio-Bauer Vertreter ihrer jeweiligen Interessensgruppen. Interessant fande ich besonders den Herrn von Bayer. Bei ihm handelte es sich um einen Lobbyisten, wie er im Buche steht. Top informiert, auf alle Gegenargumente bestens vorbereitet und locker in der Lage jedes zu “entkräften” und vor allem selbstsicher und rhetorisch versiert. Bei ihm fühlte ich mich an den Film “Thank You For Smoking” erinnert.

Das Publikum war eine interessante Mischung aus ökologisch interessierten Verbrauchern auf der einen Seite und auf der anderen Seite eine große Zahl an Landwirten aus dem Kreis Euskirchen.

Inhaltlich wurde über die Funktionsweise gentechnisch-veränderten Saatguts berichtet. Spannend wurde es, als die Nutzen und die Risiken der Gentechnik diskutiert wurden.

Im Kreis Euskirchen gibt es zur Zeit keinen Anbau von verändertem Saatgut mehr. Es hat mal einen Anbau von verändertem Mais gegeben.

Das Interesse der Bauern möglichst erträglich und vor allem auskömlich zu arbeiten ist mehr als nachvollziehbar, geht es doch um ihr wirtschaftliches Überleben. Dass bei versprochenen Ertragssteigerungen von bis zu 30%  man auch über den Einsatz veränderten Saatguts nachdenkt, finde ich total nachvollziehbar. Schließlich sind die Bauern im Kreis Euskirchen in der Mehrheit ohnehin nicht auf Rosen gebettet.

Andererseits kann die Folgen, die durch den Einsatz von verändertem Saatgut der Natur und dem biologischen Gleichgewicht, vielleicht auch dem Menschen, droht, niemand voraussagen, geschweige denn abschätzen. Die darin begründete Gefahr lässt mir eine Nutzung als nicht vertretbar erscheinen.

Außerdem möchte ich für mich als Verbraucher mir meine Wahlfreiheit erhalten. Ich will entscheiden können, ob ich gentechnisch-veränderte Lebensmittel oder Nahrung, die veränderte Bestandteile enthält, konsumiere oder nicht. Bei dem Anbau von verändertem Saatgut kann eine “Auskreuzung” oder die Verunreinigung benachbarter Felder nicht mit hundertprozentiger Sicherheit ausgeschlossen werden. Dadurch werde ich in meiner Freiheit zwischen veränderten oder “natürlichen” Lebensmitteln gehindert.

Deshalb halte ich eine staatliche Reglementierung für unbedingt notwendig, die mir diese Gefahr vorenthält und Wahlfreiheit gewährleistet. Es kann auch nicht im alleinigen Verantwortungsbereich des einzelnen Landwirts sein sich für oder gegen Gentechnik zu entscheiden. Diese Verantwortung und die damit verbundene Haftungsproblematik kann man einem einzelnen Landwirt nicht zumuten.

Deshalb kann ich auch die Vorbehalten der Landwirtschaft gegen eine Selbstverpflichtung zum Verzicht auch gentechnisch-verändertem Saatgut in Form einer “Gentechnik freien Zone” gut nachvollziehen.

Dennoch bin ich für eine solche “Gentechnik freie Zone” im Kreis Euskirchen. Aus ganz un-ideologischen Gründen denke ich kann man eine solche Zone jetzt gründen, da ohnehin die Attraktivität der Gentechnik im Kreis Euskirchen gering ist und man sich durch eine solche Zone ein Alleinstellungsmerkmal mit entsprechendem Vermarktungsvorteil verschafft.

Allerdings bin und bleibe ich beileibe kein Experte auf diesem Feld.