In Deutschland gibt es ein Missverhältnis in der relativen finanziellen Belastung unterschiedlicher Einkommen. Das Missverhältnis stellt sich insbesondere zum Nachteil von Geringverdienern dar. Diese Tatsache ist jetzt, nachdem ich das schon länger vermutet habe, unabhängig und unverdächtig von der OECD ermittelt worden.

Weiter stellt die Studie der OECD fest, dass in Deutschland die klassische Familie mit einem Verdiener gegenüber einem Doppelverdienerhaushalt bessergestellt ist. Und das bei der Situation, dass viele Familien keine andere Wahl haben als beide arbeiten zu gehen. Wenn sich also gerade Besserverdiener über die hohe Steuerlast in Deutschland beschweren, so ist das nicht nur unwahr (denn die Steuerquote ist eine der niedrigsten in der OECD), sondern auch noch ein Schlag ins Gesicht der proportional stärker belasteten Geringverdiener.

Die finanzielle Benachteiligung von Geringverdienern ist besonders den hohen Sozialversicherungsbeiträgen und der Beitragsbemessungsgrenze geschuldet. Deshalb kämpfe ich schon länger dafür, dass die Sozialabgaben sinken und über Steuern finanziert werden. Ein gerechtes System kann auch in der Art organisiert werden, dass die Kosten der Sozialversicherung über alle Einkommensarten abgedeckt werden, also auch über Miet- und Kapitaleinkünfte. Das ist die Idee der solidarischen Bürgerversicherung, für die auch die SPD kämpft.