Schulsozialarbeit bleibt mindestens bis 2015

Am vergangenen Mittwoch hat der Jugendhilfeausschuss gemeinsam mit dem Ausschuss für Bildung, Sport und Kultur eine Weiterfinanzierung der Schulsozialarbeit des Kreises bis mindestens 2015 beschlossen.

Beschlossen wurde sinngemäß:

  1. Wir fordern den Bundestag auf, die Schulsozialarbeit weiter zu finanzieren.
  2. Die Schulsozialarbeit wird bis zum 31.12.2015 weitergeführt. Bei keiner Finanzierung aus Bundesmitteln finanziert der Kreis die Stellen aus den bislang nicht abgerufenen BuT-Mitteln, also auch KEINE Kreisumlage-Belastung!
  3. Es soll eine Koordinierung der Arbeit der SchulsozialarbeiterInnen von Kreis, Kommunen und Land erfolgen – vielleicht kommen wir sogar so weit, dass Kommunen Stellen einsparen können.

Warum das Ganze?
Die Bundesregierung hat nach einem Urteil des Bundesverfassungsgerichts das sogenannte Bildungs- und Teilhabepaket (BuT) auf den Weg gebracht, um Kinder aus sozial schwächeren Familien Zugang zu Bildung, Kultur und Freizeitaktivitäten zu ermöglichen. Die SPD hat damals ausgehandelt, dass auch zusätzliche Schulsozialarbeit in dieses Paket mit aufgenommen wurde.

Zum Ende des Jahres läuft die Finanzierung aus – plötzlich sollen die Länder oder sogar die Kommunen für die Finanzierung verantwortlich sein. Die Bundesmittel laufen also sehr wahrscheinlich aus.
Im Kreis Euskirchen sind vor 2 Jahren fünf Stellen in diesem Bereich geschaffen worden – eine davon wird nach Beschluss des Jugendhilfeausschuss im Bereich der Koordinierung von Inklusion in KiTas und Schulen in jedem Fall weitergeführt.
Bei den übrigen 4 Stellen (mit 5 Fachkräften) war die Weiterbeschäftigung bis Mittwoch ungewiss. Diese werden gezielt an verschiedenen Schulen eingesetzt, an denen es bisher keine Schulsozialarbeit gab – insgesamt konnten damit 14 Schulen kreisweit erreicht werden. Die Bürgermeister machen dennoch Stimmung gegen eine Fortführung der Schulsozialarbeit aufgrund der zusätzlichen Belastung über die Kreisumlage (insgesamt 200.000 €, die nach Größe und Wirtschaftskraft auf die Städte und Gemeinden aufgeteilt würden).

Warum das Angebot der Schulsozialarbeit so wichtig ist!!!
Der Wert von Schulsozialarbeit wird zurecht von niemand ernst zu nehmenden bestritten. Für LehrerInnen, Eltern und SchülerInnen ist Schulsozialarbeit eine wichtige Stütze, wenn es einmal nicht so gut läuft. Egal ob harmlose Streitereien, massives Mobbing, Probleme im Elternhaus oder Gewalt auf Schulhöfen – bei solchen und ähnlichen Problemen kommen LehrerInnen schnell an ihre Grenzen (das sagen mir jedenfalls viele Lehrer). Der Einsatz des Kreises ist insofern charmant, dass die SchulsozialarbeiterInnen wirklich dort sind, wo sie gebraucht werden. Sie warten nicht in den Schulen auf Kinder (infrastruktureller Ansatz), sondern haben klar festgelegte Angebote, die LehrerInnen, SchülerInnen und Eltern abrufen können. Damit können die SchulsozialarbeiterInnen natürlich mit weniger personellem Aufwand (und damit auch finanziellem) an mehreren Schulen aktiv werden. Probleme gibt es nämlich nicht nur an Förder- oder Hauptschulen!

Wie wir gemeinsam zahlen und alle profitieren können!!!
Schulsozialarbeit wirkt präventiv und verhilft häufig benachteiligten Kindern zu einer Chance an unseren Schulen. Wie viele Soziologen und andere kluge Köpfe, bin auch ich davon überzeugt, dass diese Investition sich langfristig auszahlt, weil sie uns höhere Folgekosten erspart.

Ein zweites, etwas pragmatischeres Argument: Derzeit gibt es neben der Schulsoziarbeit des Kreises nach dem Bildungs- und Teilhabepaket (4 Stellen an 14 Schulen) noch 12,19 Stellen an 13 weiteren Schulen (davon 6,36 Stellen des Landes, 3,33 der Kommunen und die 2,5 Stellen vom Kreis). Dass sich dieser bunte Blumenstrauß auch kozeptionell aufeinander abstimmen sollte, ist einleuchtend. Sinnvollerweise kann eine solche Koordinierung fachlich nur vom Kreis Euskirchen ausgehen – das Jugendamt, die Nähe zum Allgemeinen Sozialen Dienst (ASD) sprechen für eine qualitative fachliche Begleitung, die sonst nicht möglich wäre.

bisherige Stellen Schulsozialarbeit und neue Schulsozialarbeit nach BuT durch den Kreis (FKS=Fachkraftstellen; BUT=Bildungs- und Teilhabepaket)

bisherige Stellen Schulsozialarbeit und neue Schulsozialarbeit nach BuT durch den Kreis (FKS=Fachkraftstellen; BUT=Bildungs- und Teilhabepaket)

So könnten perspektivisch auch die Fachkraftstellen der Kommunen vom Kreis Euskirchen übernommen werden. Der Ansatz, auf den Sozialraum und klare Angebote zu schauen anstatt einzelne Schulen mit Schulsozialarbeit auszustatten, verspricht zudem, dass man mittelfristig durchaus mit weniger als den derzeitigen SchulsoziarbeiterInnen kreisweit auskäme.

Und an diesem Punkt hoffe ich, dass wir in dem jetzt beschlossenen Zeitraum bis Ende 2015 auch die Bürgermeister davon überzeugen können, dass es Sinn macht, ein einheitliches Modell zu entwickeln. Darüber hinaus würden die meisten Städte und Gemeinden auch finanziell profitieren.

Schulsozialarbeit nach Schulformen vorher

 

Schulsozialarbeit nach Schulformen nachher

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